• Susanne Lorra

Nicht nur Liebe geht durch den Magen!

Alle unsere Nahrungsmittel werden auf ihrem Weg durch unseren Körper all ihrer für uns wertvollen Nährstoffe beraubt, bevor sie uns über den Gang zur Toilette wieder verlassen. Magen- und Darmtrakt leisten dabei ganze Arbeit und verdauen auf vielfältige Art und Weise so gut wie jede Nahrung. Hauptaufgabe des Magens ist, neben der Zerkleinerung, besonders die Vor-Verdauung der Nahrung. Dafür ist der Magensaft verantwortlich, der aus eiweißspaltendem Pepsin und Magensäure besteht und die Aminosäuren freisetzt. Der Magen reagiert also „sauer“!


Deswegen schützt eine mehrschichtige Schleimhaut den Magen vor einer Selbstverdauung durch den Magensaft. In der Schleimhaut sitzen sogenannte „Belegzellen“, die neben der Salzsäure weiter verdauungsfördernde Stoffe und Hormone sowie den intrinsischen Faktor abgeben, der das für den Menschen lebenswichtige Vitamin B12 vor der Zerstörung bewahrt.

Erst mit zunehmender Nahrungsaufnahme wird der Magen durch die Nahrungsbestandteile „milder“ gestimmt und reagiert nur noch schwach sauer. Der vorverdaute Nahrungsbrei wird dann durch Muskelbewegungen (Peristaltik) zum Magenausgang transportiert, wo ein auch „Pförtner“ genannter Schließmuskel ihn zur weiteren Verdauung in den oberen Teil des Dünndarms, den Zwölffingerdarm, schiebt, wo die eigentliche Verwertung und Aufnahme der meisten Nährstoffe stattfindet.

Der zunächst noch dünne Nahrungsbrei gelangt durch weitere Teile des Dünndarms in den Dickdarm, wo er durch Entzug von Wasser und Salzen eingedickt und ihm die letzten Nährstoffe entzogen werden. Die nun nur noch verbleibenden „Ballaststoffe“ machen den Nahrungsbrei wieder fester, der dann beim „Stuhlgang“ auf der Toilette ausgeschieden wird. Je nach Nahrungszusammensetzung, Flüssigkeitsaufnahme, Darmaktivität und persönlichem Rhythmus kann dieser Prozess ein bis mehrere Tage dauern.

Kein Wunder, dass bei einem so vielbeschäftigten Organ wie dem Magen nicht immer alles reibungslos läuft, vor allem, wenn wir zu viel, zu fett, zu würzig oder zu süß gegessen haben. Auch Genussgifte wie Nikotin, Koffein und Alkohol reizen die empfindliche Schleimhaut und seelische Probleme oder Dauerstress können nicht nur empfindlichen Personen ganz schön „auf den Magen schlagen“.

Grund für derartige Beschwerden ist meist ein Überschuss an Magensäure, der zu einer Entzündung der Speiseröhre , der Magenschleimhaut (Gastritis) oder sogar zur Bildung eines Magengeschwürs führen kann, wenn die Schleimhaut nicht nur entzündet ist, sondern auch beschädigt wird.


Wer sich den „Magen verdorben“ hat, klagt daher meist über eine Vielzahl unspezifischer Beschwerden wie Sodbrennen, Blähungen, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Magendrücken, Übelkeit und Schmerzen im Oberbauch, die sich oft nach dem Essen bessern, um dann alsbald mit gleicher Heftigkeit zurückzukehren. Aber auch Schmerzmittel, die nichtsteroidalen Antirheumatika, wie Diclofenac, Ibuprofen. Indometacin oder Acetylsalicylsäure können die Magenschleimhaut schädigen.


Zur Behandlung oder Linderung der diversen Magenbeschwerden stehen neben Tees und pflanzlichen Präparaten auch Protonenpumpenhemmer, kurz PPI, zur Verfügung. Omeprazol, Pantoprazol oder Esomeprazol blockieren die für die Magensäure-Bildung wichtige Protonen-Pumpen.Bei akuten Magenbeschwerden beträgt die Therapiedauer meist 2-8 Wochen, in Einzelfällen sowie zum Schutz der Magenschleimhaut bei einer Dauertherapie mit bestimmten Rheuma- oder Schmerzmitteln kann jedoch auch eine deutlich längere Einnahme notwendig werden, die die Magensäuremenge dauerhaft verringert.

Gerade bei einer über mehrere Jahre andauernden Behandlung kann es dadurch zu einigen unerwünschten Mangelerscheinungen kommen, die sich jedoch meist gut ausgleichen lassen.

So benötigen wir Menschen zur Aufnahme des für uns lebenswichtigen Vitamins B12 genügend Magensäure, die das Vitamin aus den Lebensmitteln herauslöst, damit es sich an spezielle Transporteiweiße wie den intrinsischen Faktor binden kann. Wird die Bildung der Magensäure durch die Gabe von Säureblockern langfristig gehemmt, kann nicht mehr genügend Vitamin B12 aufgenommen werden und es kommt zu Mangelerscheinungen, die sich jedoch oft erst nach 2-3 Jahren bemerkbar machen, wenn die körpereigenen Vitamin-B12-Speicher in Leber, Muskeln und Herz leer sind.

Erste Anzeichen eines derartigen Mangels können Kribbeln, Erschöpfung, Zungenbrennen, Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, neurologische Störungen, aber auch Altersdemenz oder Depressionen sein. Dauert der Mangel längere Zeit an, kann es zudem zu einer lebensbedrohlichen Blutbildungsstörung kommen („perniziöse Anämie“).


Außer Vitamin B12 benötigen jedoch auch andere Mikronährstoffe wie Calcium, Magnesium und Eisen sowie Vitamin D Magensäure zur besseren Aufnahme, so dass es auch bei diesen Vitalstoffen zu einer Unterversorgung mit entsprechenden Mangelerscheinungen kommen kann. Dabei werden Calcium und Vitamin D vor allem für gesunde, kräftige Knochen benötigt, Magnesium sorgt für eine entspannte Muskulatur und Eisen für eine ausreichende Sauerstoffversorgung mit entsprechender Leistungsfähigkeit. Achten Sie daher gerade bei einer langfristigen Therapie mit Protonenpumpenhemmern oder anderen Säureblockern auf eine ausgewogene Ernährung und optimieren Sie die Nährstoffversorgung durch passende Nahrungsergänzungsmittel.


Wenn der Arzt nichts anderes verordnet hat, werden PPI regelmäßig einmal täglich entweder morgens oder abends, am besten auf nüchternen Magen, also mindestens 30 Minuten vor einer Mahlzeit eingenommen. Die Arzneistoffe sind selbst empfindlich gegenüber Magensäure, weshalb sie in Tabletten mit einem Schutzüberzug oder als Kapseln mit säureresistenten Perlen angeboten werden. Bitte beachten Sie: derartige Tabletten dürfen nicht geteilt oder pulverisiert werden, da der Wirkstoff ansonsten seine Wirksamkeit verliert!


Übrigens: Der Wirkmechanismus der Protonenpumpenhemmstoffe wurde erst 1981 entdeckt. Omeprazol wurde als erster Arzneistoff dieser Arzneimittelgruppe 1988 in Europa auf den Markt gebracht